„Wie kein anderer moderner Autor hat Iain Banks die Science Fiction neu definiert.“ The Times
Der 2013 verstorbene Schotte Iain Banks hat in seinen 1988 einsetzenden Veröffentlichungen um die sogenannte KULTUR das derzeit wohl faszinierendste Gedanken- und Gesellschaftskonstrukt für die Zukunft der Menschheit und der Galaxis skizziert. Wegen seiner Gedankenvielfalt mündet es mit seiner Fülle an Hinweisen in eine komplexe, faszinierende und ungemein reizvolle Zukunftsvision.
Die KULTUR ist eine perfekt organisierte Mensch-Maschine-Gesellschaft, deren Zeitalter laut Banks bereits begonnen hat. Sie zählt über 30 Billionen Mitglieder aller empfindungsfähigen Arten: Menschen, künstliche Intelligenzen sowie emotional und selbständig denkenden Drohnen ab einer Größe von einigen Zentimetern. Komplexe technologische Einheiten, sogenannte Systemschiffe, chauffieren mehr als 500 Millionen Insassen.
Die KULTUR schützt und hütet ihre Mitglieder und macht ihre humanistische Einstellung zum Maßstab beim Zusammentreffen mit anderen Zivilisationen.
Dieselben Sinnfragen und Lebensziele
Trotz eines vermeintlichen philosophischen Fortschritts stehen die Mitglieder der KULTUR vor denselben Sinnfragen und Lebensziele wie wir heute. Die meisten Antworten kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die Vertreter der KULTUR eindeutig auf der Seite der Guten stehen, und dass sie durch ihre Aktivitäten in der Galaxis Frieden und Einvernehmen mehren.
Die Intelligenzen begegnen sich mit Respekt auf Augenhöhe, Konkurrenz ist nicht sichtbar und Konflikte sucht man vergebens. Die Geldwirtschaft ist abgeschafft, da sie laut herrschendem Verständnis nur dann funktioniert, wenn die Gesellschaft mit ökonomischem Zwang zum Gelderwerb und zum Wettbewerb gezwungen wird. Der Lebensunterhalt sowie die perfekte medizinische Versorgung werden von der KULTUR mit ihren Drohnen organisiert. Für den technischen Fortschritt sorgen perfektionierte und produktive KIs.
Es gibt keine Kriege und auch keinerlei Gewaltanwendung durch die Kultur. Bei Konflikten wird die Abteilung „Kontakt“ eingeschaltet, die für Außenbeziehungen und Explorationen zuständig ist. Dazu gibt es einen Geheimdienst mit der Bezeichnung „Besondere Umstände“. Das alles erinnert an die CIA und den selbsternannten Weltpolizisten USA.
Der wohl einflussreichste Vordenker der Science Fiction
Ich hatte das Glück, dass mir zum Start des Kultur-Zyklus das 1988 erschienene Buch Das Spiel Azad in die Hände fiel. Es ist bei Heyne zusammen mit Einsatz der Waffen in dem Doppelband Das Kultur-Spiel (ISBN 3453520068) veröffentlicht. Darin werden zwei meiner liebsten Themen, Science-Fiction und Schach, ungemein elegant verschmolzen. Allerdings ist es so komplex, dass es sich mir in seiner vollen Pracht erst nach der zweiten oder dritten Lektüre erschloss. Jedenfalls: Die altehrwürdige Times sieht in Iain Banks den bedeutendsten Science-Fiction-Autor der Gegenwart.
Als zweites las ich das Buch Die Sphären – ein wilder Trip durch die gesamte Galaxie. Es verschreckte mich mit wirrer Handlung und kaum ersichtlichen Zusammenhängen, so dass ich den Band erst einmal verstört beiseitelegte.
Elon Musk zählt zu Banks größten Fans und hält laut Presseberichten seine Bücher zum Nachschlagen in seinem Büro bereit, so dass die Romane von Banks im Silicon Valley mittlerweile zur Pflichtlektüre gehören. Die Gedankengebäude von Banks werden wohl unsere Zukunft mitprägen.
Zwischen 1988 und seinem Tod 2013 entwarf Banks in 10 Büchern sein faszinierendes KULTUR-Universum.
Iain Banks
Das Spiel Azad
im Sammelband Das Kultur-Spiel zusammen mit Einsatz der Waffen
Wilhelm Heyne Verlag München
ISBN 3453520068
